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Erhalt des Krematoriums Leinfelden: Fast 1.600 Stimmen und wie es jetzt weitergeht

Kann das Krematorium auf dem Waldfriedhof Leinfelden noch erhalten werden? Das ist der aktuelle Stand.
Simon Brosig
Brosig Bestattungen
Fast 1.600 Menschen haben sich schon unserer Unterstützerliste für den Erhalt des Krematoriums auf dem Waldfriedhof Leinfelden angeschlossen. Dafür möchten wir von Herzen Danke sagen. Die große Resonanz zeigt: Unser "Krema" ist für viele Menschen in Leinfelden-Echterdingen und der gesamten Filderregion weit mehr als eine kommunale Einrichtung. Jetzt für den Erhalt des Krematoriums Leinfelden eintragen Doch ist das Krematorium damit gerettet? Leider noch nicht. Die gute Nachricht ist: Die Diskussion ist noch nicht beendet. Neben einer Aufgabe des städtischen Betriebs soll nun auch geprüft werden, ob ein Weiterbetrieb durch externe Akteure möglich ist. Wir möchten deshalb einen Überblick geben: Was ist bisher passiert? Was haben die fast 1.600 Stimmen bewirkt? Welche Möglichkeiten gibt es noch? Und warum setzen wir uns weiterhin für den Erhalt des Krematoriums ein?

Warum steht das Krematorium Leinfelden überhaupt zur Diskussion?

Das Krematorium befindet sich auf dem Waldfriedhof Leinfelden und wird von der Stadt Leinfelden-Echterdingen betrieben. Es ist das letzte Krematorium im Landkreis Esslingen. Für die Stadt ist der Betrieb eine freiwillige kommunale Leistung. Im Zuge der notwendigen Haushaltskonsolidierung wurde deshalb auch das Krematorium auf den Prüfstand gestellt. Der Gemeinderat hat sich inzwischen grundsätzlich dafür ausgesprochen, den städtischen Eigenbetrieb zu beenden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Krematorium endgültig geschlossen werden muss. Die Stadtverwaltung soll noch prüfen, ob ein Weiterbetrieb durch externe Akteure, beispielsweise durch ortsansässige Bestattungsunternehmen, möglich sein könnte. Und genau hier liegt aus unserer Sicht eine große Chance: Bevor eine bestehende Infrastruktur endgültig aufgegeben wird, sollten mögliche Alternativen sorgfältig geprüft werden.

Warum wir uns für den Erhalt einsetzen

Als wir von den Überlegungen zur Aufgabe des Krematoriums erfahren haben, war für uns schnell klar, dass wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen möchten. Natürlich verstehen wir, dass eine Stadt wirtschaftlich handeln und ihren Haushalt im Blick behalten muss. Aber bei einem Krematorium geht es aus unserer Sicht um mehr als eine Position in einer Kostenrechnung. Es geht um Menschen. Um Angehörige, die sich in einer der schwersten Situationen ihres Lebens befinden. Um kurze Wege. Um einen würdevollen Umgang mit Verstorbenen. Und um eine Infrastruktur, die seit Jahrzehnten zu Leinfelden-Echterdingen gehört. Eine Schließung würde bedeuten, dass Verstorbene zur Einäscherung künftig in weiter entfernte Krematorien überführt werden müssten. Das verursacht zusätzliche Fahrten und somit auch zusätzliche Kosten für Angehörige. Vor allem aber verändert es einen Ablauf, der für viele Familien gerade wegen seiner Nähe wertvoll ist.

Was kurze Wege für Angehörige tatsächlich bedeuten

In der öffentlichen Diskussion klingt die Entfernung zu einem Krematorium zunächst vielleicht nach einer rein organisatorischen Frage. Unsere tägliche Arbeit zeigt uns etwas anderes. Wenn ein Mensch verstirbt, übernehmen wir Verantwortung für ihn. Unser Wunsch ist es, Verstorbene möglichst lange selbst zu begleiten und unnötige Übergaben und Transporte zu vermeiden. Ein Krematorium direkt vor Ort ermöglicht genau das. Und kurze Wege können auch finanziell relevant sein. Ein aktueller Fall aus unserer täglichen Arbeit zeigt dies sehr anschaulich: Bei einer Einäscherung in Leinfelden lagen Überführung und Einäscherung (der Kühlraum ist in Leinfelden kostenlos) zusammen bei rund 1.071 Euro. Bei der Nutzung eines weiter entfernten Krematoriums wären in diesem konkreten Fall aufgrund zusätzlicher Überführungen und Kühlkosten rund 1.887 Euro angefallen. Das entspricht einem Unterschied von mehr als 800 Euro. Natürlich lässt sich ein einzelner Fall nicht pauschal auf jede Bestattung übertragen. Entfernungen, Liegezeiten, Gebühren und Abläufe unterscheiden sich. Aber das Beispiel macht deutlich: Ein Krematorium in unmittelbarer Nähe kann für Angehörige nicht nur emotional und organisatorisch, sondern auch finanziell einen Unterschied machen.

Fast 1.600 Menschen haben ein Zeichen gesetzt

Aus diesem Grund haben wir im Juni eine Unterstützerliste ins Leben gerufen. Die Resonanz hat uns überwältigt. Innerhalb weniger Wochen haben sich knapp 1.600 Menschen mit ihrem Namen und ihrer Adresse für den Erhalt des Krematoriums ausgesprochen. Rund 1.300 Unterstützerinnen und Unterstützer kommen aus Leinfelden-Echterdingen. Weitere rund 300 Stimmen stammen unter anderem aus unseren Nachbargemeinden, zum Beispiel Waldenbuch, Steinenbronn und Filderstadt. Wir waren mit den Listen auf Wochenmärkten unterwegs, haben sie in Ladengeschäften und Büros ausgelegt und über unsere Website und Social Media auf die Aktion aufmerksam gemacht. Dabei haben wir viele Gespräche geführt. Und genau diese Gespräche haben uns gezeigt, dass das Thema die Menschen bewegt.

Die Stimmen sind bei der Stadt angekommen

Die gesammelten Unterschriften haben wir inzwischen an die Stadtverwaltung Leinfelden-Echterdingen übergeben. Auch Oberbürgermeister Otto Ruppaner hat öffentlich deutlich gemacht, dass diese Stimmen wahrgenommen werden. Er bezeichnete die knapp 1.600 Unterschriften als ein deutliches Zeichen und als ein Votum, das Respekt verdiene. Das bedeutet noch nicht, dass das Krematorium gerettet ist. Aber es bedeutet, dass die Menschen mit ihrer Unterstützung etwas erreicht haben: Ihre Stimmen werden gehört. Und genau darum ging es uns von Anfang an.

Muss ein Krematorium zwangsläufig ein Zuschussbetrieb sein?

Einer der entscheidenden Punkte in der Diskussion ist die Wirtschaftlichkeit. Nach den bislang öffentlich genannten Zahlen muss die Stadt den Betrieb des Krematoriums bezuschussen. In der Diskussion ist von einem jährlichen Zuschussbedarf von rund 120.000 Euro die Rede. Dass die Stadt angesichts ihrer Haushaltslage nach Einsparmöglichkeiten sucht, können wir nachvollziehen. Wir glauben jedoch, dass noch eine zweite Frage gestellt werden sollte: Sind bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, um den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten? Wir haben uns deshalb in den vergangenen Monaten intensiv mit anderen Krematorien beschäftigt und Kontakt zu verschiedenen kommunalen Einrichtungen aufgenommen. Dabei wurde deutlich, dass sich Krematorien hinsichtlich Auslastung, Gebührenstruktur und Organisation teilweise erheblich unterscheiden. Ein Beispiel ist Reutlingen: Dort werden nach den uns vorliegenden Informationen mit zwei Öfen rund 2.200 Einäscherungen pro Jahr durchgeführt. Das zeigt natürlich nicht automatisch, dass sich dieses Modell auf Leinfelden übertragen lässt. Es zeigt aber, dass die Wirtschaftlichkeit eines Krematoriums stark davon abhängt, wie viele Einäscherungen stattfinden und wie der Betrieb organisiert ist.

Könnten die Einäscherungszahlen in Leinfelden gesteigert werden?

Aus unserer Sicht sollte auch diese Frage geprüft werden. Viele Menschen in Leinfelden-Echterdingen und Umgebung wissen beispielsweise gar nicht, dass es auf dem Waldfriedhof ein eigenes Krematorium gibt. Andere wissen nicht, wie eine Einäscherung abläuft oder dass Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen sogar die Möglichkeit haben, diesen letzten Weg bewusster zu begleiten. Genau hier sehen wir Potenzial. Mehr Information und Aufklärung könnten dazu beitragen, das Krematorium stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit Bestattungsunternehmen aus der Region, eine transparente Darstellung der Leistungen sowie die Prüfung der Gebührenstruktur könnten Teil einer solchen Betrachtung sein. Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, mehr Einäscherungen um jeden Preis zu erreichen. Es geht darum, zu prüfen, ob eine vorhandene Einrichtung durch eine bessere Auslastung wirtschaftlicher betrieben werden könnte, bevor sie endgültig aufgegeben wird.

Wirtschaftlichkeit darf betrachtet werden, aber nicht allein

Bei all diesen Überlegungen möchten wir einen Punkt nicht aus den Augen verlieren: Ein Krematorium ist kein gewöhnlicher Wirtschaftsbetrieb. Natürlich müssen Zahlen stimmen. Natürlich muss ein möglicher zukünftiger Betrieb wirtschaftlich tragfähig sein. Aber bei Bestattungen geht es gleichzeitig um Verantwortung, Würde und Pietät. Wir betreuen Menschen in einer Situation, in der vieles plötzlich unwichtig wird und andere Dinge umso wichtiger werden: Vertrauen, Nähe, Zeit und das Gefühl, dass mit einem verstorbenen Menschen respektvoll umgegangen wird. Genau deshalb betrachten wir das Krematorium nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des maximal möglichen Profits. Wirtschaftlichkeit ist notwendig. Menschlichkeit ebenso.

Welche Rolle könnte ein alternativer Betreiber spielen?

Inzwischen steht auch die Frage im Raum, ob das Krematorium künftig von einem externen Betreiber weitergeführt werden könnte. Die Stadt selbst hat öffentlich mitgeteilt, dass ein Weiterbetrieb durch externe Akteure, beispielsweise ortsansässige Bestattungsunternehmen, noch geprüft werden soll. Auch wir wurden gefragt, ob wir uns grundsätzlich vorstellen könnten, dabei eine Rolle zu spielen. Unsere Antwort darauf lautet: Ja, wir beschäftigen uns mit dieser Möglichkeit. Ein solcher Schritt wäre allerdings mit erheblichen technischen, rechtlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Fragen verbunden. Deshalb wäre es zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, hierzu Versprechen abzugeben. Für uns steht ohnehin zunächst eine andere Frage im Mittelpunkt: Nicht wer das Krematorium künftig betreibt, sondern ob es einen tragfähigen Weg gibt, es zu erhalten. Wenn ein wirtschaftlich sinnvolles Betreibermodell möglich ist, sollte es aus unserer Sicht ernsthaft geprüft werden.

Das Gebäude bleibt - auch bei einer Schließung

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt. Das Krematorium auf dem Waldfriedhof steht unter Denkmalschutz. Selbst wenn der eigentliche Krematoriumsbetrieb eingestellt würde, wäre das Gebäude also nicht einfach verschwunden. Auch weiterhin würden Kosten für Erhalt, Unterhaltung und gegebenenfalls eine alternative Nutzung entstehen. Damit stellt sich aus unserer Sicht umso mehr die Frage: Wenn das Gebäude ohnehin erhalten werden muss - sollte dann nicht sehr genau geprüft werden, ob auch seine ursprüngliche Nutzung erhalten bleiben kann? Natürlich muss auch hierfür eine belastbare wirtschaftliche Lösung gefunden werden. Aber gerade deshalb halten wir eine umfassende Prüfung verschiedener Modelle für sinnvoller als eine vorschnelle endgültige Aufgabe.

Ist das Krematorium Leinfelden jetzt gerettet?

Nein, noch nicht. Aber die Situation ist auch nicht so, dass bereits alles entschieden wäre. Der bisherige städtische Eigenbetrieb steht zur Disposition. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob ein Weiterbetrieb durch externe Akteure möglich ist. Die bislang fast 1.600 Unterschriften haben gezeigt, dass ein erhebliches öffentliches Interesse am Erhalt besteht. Und es gibt Fragen zur zukünftigen Wirtschaftlichkeit, zu möglichen Betreibermodellen und zu einer besseren Auslastung, die aus unserer Sicht eine sorgfältige Prüfung verdienen. Genau deshalb möchten wir jetzt nicht nachlassen.

Unsere Unterstützerliste bleibt geöffnet

Solange über die Zukunft des Krematoriums nicht abschließend entschieden wurde, bleibt unsere Unterstützerliste geöffnet. Wenn auch Sie der Meinung sind, dass alle realistischen Möglichkeiten zum Erhalt des Krematoriums Leinfelden geprüft werden sollten, freuen wir uns über Ihre Unterstützung. Jetzt für den Erhalt des Krematoriums Leinfelden eintragen Auch wenn bereits fast 1.600 Menschen unterschrieben haben: Jede weitere Stimme zeigt, dass dieses Thema den Menschen in Leinfelden-Echterdingen und der gesamten Region wichtig ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun müssen die offenen Fragen geklärt werden. Welche Voraussetzungen müsste ein alternativer Betreiber erfüllen? Ist ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb möglich? Welche Investitionen wären langfristig notwendig? Kann eine bessere Auslastung dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern? Und welche Möglichkeiten gibt es, wenn die Stadt das Krematorium nicht mehr selbst betreiben möchte? Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und uns konstruktiv in die Diskussion einbringen. Sobald es Neuigkeiten zur Zukunft des Krematoriums Leinfelden gibt, werden wir diese Infos teilen. Wir wollen auch künftig die zentrale Anlaufstelle für alle werden, die wissen möchten, wie es um den Erhalt des Krematoriums steht.

Danke für die fast 1.600 Stimmen (und alle noch kommenden)

Zum Schluss möchten wir vor allem eines sagen: Danke. Danke an alle Menschen, die unterschrieben haben. Danke an diejenigen, die unsere Aktion weitergegeben haben. Danke an die Geschäfte und Büros, die unsere Listen ausgelegt haben. Danke für die vielen Gespräche, Rückmeldungen und persönlichen Geschichten. Wir wissen heute noch nicht, wie die Entscheidung am Ende ausfallen wird. Aber wir wissen, dass fast 1.600 Menschen innerhalb weniger Wochen ein deutliches Zeichen gesetzt haben: Das Krematorium Leinfelden hat für die Menschen in der Region einen hohen Stellenwert. Und solange noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist, setzen wir uns dafür ein, dass mögliche Alternativen zu einer Schließung ernsthaft geprüft werden. Mirja & Simon Brosig